Sven Marquardts „Isolation“

Sven Marquardts „Isolation“: Im neuen Filmclip erzählt er von Einsamkeit und Hoffnung.

Vollmond am Nachthimmel, leere Straßen. Bloß wenige Autos sind zu sehen, kein Mensch ist unterwegs. Nur Sven Marquardt schleicht über die Prenzlauer Allee. Hardy Paetke folgt ihm mit der Kamera, hat den Fernsehturm und eine fast verlassene Tram-Haltestelle im Blick.

Aus dem Voiceover reflektiert Sven Marquardt mit bedachten Worten. Leise Klaviertöne geben die Stimmung vor. Er erinnert sich an Rainer Werner Fassbinders Film „In einem Jahr mit 13 Monden“ – ein Werk, das ihn schon lange begleitet. „13 Monde“ hieß auch Marquardts Hommage-Ausstellung im Berghain. Das war im Dezember 2007, vor einer Ewigkeit also.

Momentan sind die Türen des Clubs geschlossen. Und Marquardt reflektiert über Vergänglichkeit, Stillstand und Corona. „Die Geschichte besagt unter anderem, dass wir Menschen in einem solchen Jahr persönliche Katastrophen erleben können.“ Ob solche Gedanken angebracht seien, wisse er nicht, sagt Marquardt, doch bei der Suche nach den eigenen Antworten können sie helfen.

Man sieht ihm bei einem Spaziergang durch die Stadt zu, sieht sein markantes, tätowiertes Gesicht und eine schwarze Jacke. „Any way out of this nightmare“ steht auf dem breiten Rücken. Ost-Berlin in der Nacht, Ost-Berlin im Zwielicht der Dämmerung.

Sven Marquardt erzählt in „Isolation“, dass die Zukunft ungewiss ist

„Beruflich war es für mich eine Vollbremsung“, konstatiert Marquardt. Konsequent verfolgt er die Nachrichtenlage – noch nie habe er sich so umfassend informiert, so viele erschreckende Statistiken gelesen. Aber nun ist der Club geschlossen, und die beruflichen Aufträge im Ausland anzunehmen ist unmöglich. Er denkt nach über seine Zukunft. Aber ob es ein „Wendepunkt“ sei? Um das zu entscheiden, dafür ist es für Marquardt zu früh.

„Manchmal überkommt mich eine Unruhe, und ich laufe dann einfach los“, erzählt der Künstler. Man folgt ihm weiter durch die Stadt, vorbei an grauen Fassaden. „Heimat“, sagt er knapp.

Die Szenen in der Stadt wechseln sich immer wieder ab mit barock anmutenden Sequenzen in Grautönen: Rauch, der aus einem Gefäß aufsteigt. Ein Bildband, durch den geblättert wird, Models und Nachtschwärmer. Bilder aus Tagen, die nicht von Unsicherheiten geprägt waren. Im Kunstarchiv und auf den Bücherstapeln herrscht ein barocker Vanitas-Gedanke vor: Jesus, aufsteigender Rauch aus Gefäßen, Totenschädel. Memento mori. Schönheit und Vergänglichkeit sind prägende Themen in Marquardts Leben, wie im vergangenen Jahr auch ein Film zeigte.

Was ihm hilft, ist die Tatsache, dass alle Menschen gerade ähnliche Erfahrungen machen in dieser merkwürdigen Zeit – und jede*r den eigenen Umgang damit findet. „Dieses Gefühl macht stark“, sagt Marquardt. Der Filmclip „Isolation“ ist trotz allem eine kurze Botschaft der Hoffnung.

Quelle: tip Berlin

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